Rassebeschreibung: Paso Fino

Der Paso Fino: das ist iberischer Adel, vollblütige Reaktionsbereitschaft, ponyhafte Robustheit und natürlich der Tölt, der diese Pferde berühmt und einzigartig in der Gangpferdeszene gemacht hat.

 

Varianten des Paso Fino:

Das Pleasure-Pferd, das seinen Reiter bei ausgedehnten Wanderritten ausdauernd aufs komfortabelste voranbringt.
Das Performance-Pferd, das mit seinem artistisch-athletischen Potential den sportlichen Reiter ins rechte (Rampen-)Licht rückt.
Das Classic Fino-Pferd, das mit seinen ultrakurzen Bewegungen die Gesetze von Raum und Zeit zwar nicht außer Kraft setzt, ihnen aber eine typisch südländische Bedeutung gibt.
 

Der Paso Fino:

Seit Ende der 80iger Jahre exquisites Pferdematerial aus Kolumbien und den USA importiert wurde, hat die Rasse der Paso Fino Pferde einen kometenhaften Aufstieg erfahren. Lassen Sie sich begeistern von einem Bericht über eine faszinierende und vielseitige Pferderasse, deren hervorstechendstes Merkmal ein butterweicher Tölt ist.
 

Geschichte:

Bereits bei seiner zweiten Reise im Jahr 1493 nahm Christoph Kolumbus zwanzig Hengste und fünf Stuten an Bord, um auf der Insel Hispaniola (der heutigen Dominikanischen Republik und Haiti) den Grundstock für ein Gestüt zu legen. Dass diese Pferde die feurigen und berühmten Vorfahren der südamerikanischen Pferde waren, darf getrost bezweifelt werden: Christoph Kolumbus war ein ziemlich miserabler Pferdekenner und zog als persönliches Fortbewegungsmittel meist ein Maultier vor.

Trotzdem wurde das Gestüt in Santo Domingo später die Anlaufstation für die spanischen Eroberer, wenn sie unterwegs Pferde an Bord nehmen wollten, denn im Jahr 1500 kamen sechzig spanische Zuchtstuten wohlbehalten auf Hispaniola an, so dass die Möglichkeiten einer Zucht in größerem Rahmen gegeben war.

Außerdem waren die „Kollegen“ von Herrn Kolumbus auch nicht ganz untätig: 1509 kam Martin de Salazar mit einigen Pferden in Puerto Rico an, 1511 marschierte Diego de Velasquez mit acht Pferden in Kuba ein, und 1517 kam Hernando Cortez mit siebzehn Pferden nach Mexiko.

Die Tiere fanden in ihrer neuen Heimat optimale Lebensbedingungen vor, und bereits wenige Jahrzehnte später hatten sie sich über den gesamten karibischen Raum und in weiten Teilen Südamerikas ausgebreitet. In der damaligen Zeit und in dem großen neuen Land konnte man auf Pferde als Transportmittel nicht verzichten. Man benötigte Tiere, die ausdauernd und anspruchslos waren, unkompliziert im Umgang, kerngesund und möglichst bequem.
Außerdem mussten die Pferde extrem harte und strapazierfähige Hufe haben, da kein geeignetes Hufbeschlagsmaterial zur Verfügung stand. Ein Pferd, das unterwegs zu lahmen anfing oder nicht mehr fähig war, weiterzulaufen, konnte seinen Reiter in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Auf gesunde Beine, Ausdauer und Gehfreudigkeit wurde deshalb bei der Zucht allergrößter Wert gelegt.

Später, als die ersten spanischen Siedler in die neuen Kolonien kamen, waren diese Eigenschaften ebenfalls sehr nützlich: Um die unvorstellbar großen Haziendas und Plantagen bewirtschaften und verwalten zu können, war man oft tagelang mit dem Pferd unterwegs. Um diese strapaziösen Ritte für die Reiter angenehmer zu machen, benötigte man Pferde mit einem weichen Gang, der es ermöglichte, lange Strecken bequem in mittlerem Tempo zurückzulegen. Darüber hinaus sollten die Pferde auch noch schön sein, über Ausstrahlung, Temperament und einen willigen Charakter verfügen, denn schließlich wollten die Großgrundbesitzer standesgemäß beritten sein. Die gewünschten Eigenschaften wurden durch strenge Selektion erreicht.

Zur Blutauffrischung wurden im Laufe der Jahrhunderte auch immer wieder Pferde aus Spanien, oder aus anderen Gebieten der Alten Welt und die tölt- und passgehenden Narragansett Pacer aus Nordamerika eingekreuzt. Je nachdem, welche Zuchtziele in den einzelnen Ländern vorherrschend waren, welche Rassen zur Blutauffrischung eingesetzt wurden und angepasst an die unterschiedlichen klimatischen und geographischen Verhältnisse der jeweiligen Länder, entwickelten sich die Paso Finos in verschiedene Richtungen.
So war und ist es Kennern durchaus möglich, einen puertoricanischen von einem kolumbischen Paso Fino zu unterscheiden. Diese regionalen Unterschiede verwischen sich aber immer mehr, da inzwischen auch in Puerto Rico kolumbianische Deckhengste und Stuten eingesetzt werden.

Außer in Kolumbien und in Puerto Rico sind Paso Finos auch noch in folgenden südamerikanischen Ländern zu finden:
Kuba, Panama, Venezuela, Costa Rica, Aruba, Ecuador, Mexiko und natürlich in der Dominikanischen Republik, wo Kolumbus seinerzeit den Grundstock für die Pferdezucht legte.
Das größte Nachzuchtgebiet, die USA, haben seit den sechziger Jahren ca. 35.000 Pferde importiert. Davon ungefähr 80% aus Kolumbien. Darauf folgen Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Venezuela. Gang und Exterieur
Gang & Exterieur Die Größe der Paso Finos liegt bei einem Stockmaß zwischen 140 und 155 cm. Den Körperbau wünscht man sich möglichst korrekt mit zierlichem, aber dennoch sehr belastbarem, trockenem Fundament, kleinen, harten Hufen und stabiler, kurzer Fesselung. Die Gangveranlagung ist locker und natürlich und kann – besonders beim Paso Fino mit kolumbianischen Blutlinien . zum Trabtölt tendieren, die aber bei richtiger Ausbildung immer zum korrekten Tölt führt. An Farben ist beim Paso Fino von Schneeweiß bis Rabenschwarz alles erlaubt und vorhanden. Um möglichst vielen Bedürfnissen gerecht zu werden, teilt man die Pferde in drei verschiedene Typen ein: Der Pleasure-Typ Der Paso Fino im Pleasure – Typ eignet sich wohl am besten für den Freizeit- und Wanderreiter. Diese Pferde zeigen lockeren, taktklaren Tölt am langen Zügel in entspannter, wenig versammelter Manier. Der Raumgriff ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich, jedoch sollten alle Pferde fähig sein, den Tölt vom Paso Corto (Arbeitstempo) zum Paso Largo (verstärktes Tempo) zu steigern. Durch ihre Rittigkeit und ihr angenehmes, ausgeglichenes Temperament sind Pleasure-Pferde sowohl unter dem Reiter als auch beim täglichen Umgang unkomplizierte und willige Partner. Der Performance-Typ Paso Finos im Performance-Typ zeigen ebenfalls Paso Corto und Paso Largo; im Unterschied zum Pleasure-Pferd wird hier aber mehr Wert auf Versammlung, Präsenz, Aufrichtung und Temperament gelegt. Performance-Pferd verfügen über viel Ausstrahlung und Vorwärtsdrang und haben zuweilen auch ein etwas überschäumendes Temperament. Diese Pferde sind bestens geeignet für bereits etwas fortgeschrittene Reiter, die sensible, temperamentvolle Pferde mit viel Gehwillen schätzen. Der Classic Fino-Typ Paso Finos im Classic-Fino-Typ sollen ein Höchstmaß an Aufrichtung, Versammlung und Temperament zeigen. Bei den Shows in den USA, Kolumbien oder Puerto Rico werden diese Pferde ausschließlich im „Classic Fino“ vorgestellt; das ist ein Gang im klaren Viertakt, bei dem die Pferde ihre Beine in einem möglichst schnellen Rhythmus, aber mit so wenig Raumgriff wie möglich bewegen sollen. Paso Finos dieses Typs sind in den USA und Südamerika als Showpferde sehr beliebt. Die Zuschauer hält es kaum noch auf den Sitzen, wenn die Pferde im Ring engste Wendungen vollführen und im Stakkato über den Fino Strip (ein langer Holzsteg zur akustischen Taktwahrnehmung) steppen. Der schnelle Rhythmus, der ein wenig an das Geklapper von Kastagnetten erinnert, und die Schönheit der Pferde üben eine Faszination aus, die sich nur schwer in Worten wiedergeben lässt. Nur ein geringer Prozentsatz eines Fohlenjahrgangs wird alle natürlichen Voraussetzungen erfüllen, um später in Classic-Fino Klassen erfolgreich bestehen zu können. Natürlich können Paso Finos – unabhängig vom jeweiligen Typ – nicht nur tölten. Sie verfügen außerdem über einen sehr schönen, runden und weichen Galopp und einen mehr oder weniger ausgreifenden Schritt. Vor allem in Kolumbien haben sich noch zwei weitere Paso Schläge etabliert: Der Trochador oder der Trocha y Galope Diese Pferde sind Trabtölter. Ein guter Trochador ist genauso weich zu sitzen wie ein Tölter, sein Galopp soll ein runder Dreischlagrhythmus sein. Der Troton Galopero Dieser Typ beherrscht ausschließlich Schritt, Trote (Trab) und Galope (Galopp). Trotzdem weist auch dieses Pferd Besonderheiten auf. Der Trote hat keine Schwebephase und ist daher mit dem normalen Trab nicht zu vergleichen, da auch er überhaupt nicht wirft und unglaublich bequem ist. Der Galope ist ein extrem komfortabler, bis in höchste Versammlung möglicher Galopp. Trochadores und Troton Galoperos können nicht tölten, umgekehrt kann jedoch ein Paso Fino in der Regel traben oder trabtölten. So ist es ganz dem Geschmack des Einzelnen überlassen, für welche Variante er sich entscheidet. Das angeborene Talent ist das Maß aller Dinge. Manipulation jeglicher Art werden sowohl in Süd- als in Nordamerika auf Shows sofort zum Ausschluss führen. Die Weltvereinigung „CONFEPASO“ hat das wohl strengste Regelwerk aller Gangpferde, dem sich auch die deutschen Pasofinovereinigungen unterworfen hat. Einsatzmöglichkeiten Der Paso Fino ist eine sehr vielseitige Pferderasse; da diese Pferde sehr menschenbezogen sind und ausgesprochen schnell lernen, kann man ihnen mit genug Zeit und Geduld alles beibringen. Ihre Rittigkeit, Geländegängigkeit und die bequemen Gänge machen sie zu idealen Trail- und Wanderreitpferden. Für gut trainierte Pferde sind auch mittlere Distanzritte keine Schwierigkeit. Durch die handliche Größe und den umgänglichen Charakter sind sie als Familienpferde bestens geeignet. Auch als Westernpferde machen sie eine gute Figur: Dank ihrer Rittigkeit und Wendigkeit werden sie auch als Reinig- und Barrel Race-Pferde eingesetzt. Da in Südamerika Paso Finos auch noch häufiger als Arbeitspferde auf den großen Rinderfarmen eingesetzt werden, haben sie auch viel Talent zur Rinderarbeit. Nicht nur in den Vereinigten Staaten werden Paso Finos wegen ihrer extrem wichen Gänge immer beliebter als Pferde für Reiter mir Rückenproblemen oder Bandscheibenschäden und für therapeutisches Reiten. Auch vor einer leichten Kutsche sehen Paso Finos sehr elegant aus. Für erfahrene Reiter mit gutem Können ist es kein Problem, ihrem Paso Fino sogar Lektionen der klassischen Dressur beizubringen. Die Reitweise Wie bereits angedeutet, kann der Paso Fino in den verschiedensten Reitweisen geritten werden. In der Grundausbildung sollte aber immer auf Leichtrittigkeit und auf die Reinheit der Gänge Wert gelegt werden. Die traditionelle Ausbildung kann am ehesten mit der Westernreiterei verglichen werden. Es wird Zügelkontakt gebraucht, aber kein Druck. Ansonsten beschränkt man sich auf minimale Hilfen, die in erster Linie als Gewichtshilfen gegeben werden. Allgemeiner Überblick Mit seiner Gangveranlagung und seinem noblen Charakter eroberte der Paso Fino die Vereinigten Staaten buchstäblich im Sturm: Heute sind bereits ca. 35.000 Pferde in der PFHA registriert, Tendenz stark steigen und monatlich treten bis zu hundert neuen Mitgliedern der Vereinigung bei. Auch in Europa, speziell in Deutschland ist eine enorm steigende Nachfrage vorhanden und es müssen immer wieder Pferde aus den USA oder den Ursprungsländern (eher selten, da die Einfuhr zu kompliziert) importiert werden, da die Nachzucht der hiesigen Gestüte den Bedarf noch nicht decken kann.